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2. Making aus ableism-kritischer Perspektive

Buchner, Tobias/ Ojo, Jelena (2022). Making und Fähigkeit. Eine ableistische Analyse der Potenziale von Makerspaces in formalen Bildungseinrichtungen. In: Medienimpulse 60(2) 

Jelena Ojo und Tobias Buchner (2022) blicken auf Making und Makerspaces aus einer ableism-kritischen Perspektive. Ablesim meint hier, dass die Fähigkeiten von Menschen ohne und Menschen mit Be_Hinderung unterschiedlich bewertet werden.

Der Begriff "Be_Hinderung" (bzw. "dis_ability") stammt aus den Disability Studies und soll verdeutlichen, dass Menschen, die in einem bestimmten Bereich (z.B. Beeinträchtigung des Sehens) be_hindert werden, in vielen anderen Bereichen (z.B. Musik, Empathie, ...) fähig sind. Eine bestimmte Be_Hinderung ist nicht alles, was einen Menschen ausmacht. Zudem unterstreicht das großgeschriebene "H", dass Be_Hinderung erst dadurch entsteht, dass Menschen durch Barrieren im Alltag daran gehindert werden, bestimmten Aktivitäten vollumfänglich nachzugehen.

Solche ungleichen Bewertungen führen zu ungleichen Machtverhältnissen und dem Ausschluss bestimmter Gruppen, etwa in Bildungskontexten. Wenn beispielsweise davon ausgegangen wird, dass Menschen mit Be_Hinderung nicht in gleichem Maße fähig bzw. „normal“ sind, wie ihre Mitmenschen ohne körperliche oder geistige Beeinträchtigung, dann werden sie benachteiligt. Das kann vonseiten der bewertenden Menschen auch unbewusst geschehen, denn die Gesellschaft, in der wir aufwachsen, ist durchzogen von ableistisch geprägten Strukturen. Deshalb sollten pädagogische Fachkräfte ihre eigene Perspektive auf ihre Adressat*innen und der Arbeit mit ihnen stets reflektieren, d.h. etwa die Gestaltung von Orten, wie Makerspaces oder die Wahl von Technologien oder Methoden immer wieder kritisch hinterfragen und schauen, ob alle Menschen gleichermaßen Zugänge zu diesen haben.

In pädagogischen Kontexten ist dieses Problem deswegen besonders relevant, weil Fachkräfte mitunter davon ausgehen, dass sie bereits Fähigkeiten besitzen und ihren Adressat*innen nicht. Damit ist bereits ein Machtverhältnis angelegt, das hinterfragt werden muss:

„Was wer zu können hat und in welchem Ausmaß, welche Fähigkeiten erwartet werden können und welche nicht, wer wirklich etwas nicht kann und wer nur simuliert, wer Anspruch auf Unterstützung hat und wer nicht – all diese Fragen und die zur Beantwortung derselben angelegten Kriterien unterliegen im Königreich des Ableism der Deutungshoheit der Fähigen […]“ (Ojo/Buchner 2022: 7).